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10 Jahre Dräger Outdoorexperience – Die Corona-Edition – Ein Praxisbericht

03. August 2020

Schon zum 10. Mal sollte in diesem Jahr die Outdoor-Experience mit den Auszubildenden der Drägerwerk AG & Co. KGaA stattfinden: eine 7-tägige Veranstaltung zur Entwicklung sozialer und persönlicher Kompetenzen, mit Outdoor-, Reflexions- und Feedbackanteilen.

Die Covid 19- Regelungen haben diese ursprüngliche Veranstaltung unmöglich gemacht.

Gleichwohl war es dem Unternehmen wichtig, den Auszubildenden eine adäquate Veranstaltung anzubieten, in der sich die Nachwuchskräfte mit ihren persönlichen Zielen, der Bewältigung von Herausforderungen, etc. auseinandersetzen können.

DIE ALTERNATIVE: WIR BAUEN MIT DEN AZUBIS EINEN SPIELPLATZ FÜR LÜBECK

Wir, die ALEA GmbH, bieten schon seit 20 Jahren Corporate Citizenship-Projekte an: Bauprojekte, in denen wir mit den Mitarbeiter*innen, Führungskräften und/ oder Auszubildenden unserer Auftraggeber ein Spielgelände für eine soziale Einrichtung bauen. Diese Bauprojekte sind groß angelegte CSR- und PE-Maßnahmen, in denen sich die Teilnehmenden mit Themen, wie Kooperation, Projektlernen, Verantwortungsübernahme, Führung, Umgang mit Herausforderungen, Mindset, Kultur, … auseinandersetzen; je nach Auftrag und Zielsetzung des beauftragenden Unternehmens.

‚Ganz nebenbei‘ entsteht ein TÜV-geprüfter Spielplatz, bzw. ein Außengelände für eine unterstützungswürdige, soziale Institution, ganz nach deren Wünschen und Bedürfnissen.

Die Idee und die Absicht das zu tun waren schnell unterbreitet und die Projektverantwortlichen auf Auftraggeberseite waren sofort Feuer und Flamme.

Die Vorteile lagen auf der Hand. Die Teilnehmenden konnten zu Hause übernachten – wir brauchten keine Unterbringung für ca. 95 Personen. Wenn wir die 80 Auszubildenden und Studierenden in zwei Gruppen aufteilen, dann können die sich täglich auf der Baustelle abwechseln. Somit haben wir nur ca. 55 Personen auf der Baustelle und die Abstandsregelungen sind gut einhaltbar. Mit dieser Anzahl an Teilnehmenden können die im Unternehmen und in Lübeck geltenden Corona-Regeln eingehalten werden.

Außerdem werden durch dieses Setting die Themen „Schnittstellen- und übergreifende Projektkommunikation“ erfahrbar und können dann in den Reflexionsphasen ausgewertet werden.

Innerhalb von sechs Wochen mussten Institutionen und Personen in Lübeck gefunden werden, die überhaupt einen Spielplatz brauchen und dann auch noch an dieses Projekt glauben. Der Projektleiter bei Dräger fand in der Stadtverwaltung eine Mitarbeiterin, die diese Idee sofort mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützte.

Die Baltic-Schule im Stadtteil Lübeck Buntekuh war für das Projekt  prädestiniert. Es gab einen dringenden Bedarf an einem attraktiven Spielgelände: außer einer Asphaltfläche, 6 Tischtennisplatten und einer demolierten Schaukel war nichts an Spielwert vorhanden. Außerdem verfügte die Schule über genügend Raum und Infrastruktur, um eine solch große Gruppe unter Corona-Bedingungen aufnehmen und vor allem über die Mensa verpflegen zu können.

Es wurden Konzepte erstellt, in Windeseile Pläne abgestimmt, Kalkulationen angestellt, Materialien bestellt, Genehmigungen eingeholt, Zweifel benannt und ausgeräumt, runde Tische mit allen Stakeholdern abgehalten und politische, sowie wirtschaftliche und persönliche Weichen gestellt, um in solch kurzer Zeit alle Vorbereitungen vorzunehmen.

ALLES DA – ES KANN LOSGEHEN

Der Auftrag war bestätigt, alle Genehmigungen erteilt, das Material war rechtzeitig vor Ort, die Logistik stand und alle Projekt-Mitarbeiter*innen vor Ort, die Baustelle wurde eingerichtet und ein letztes Meeting mit allen Beteiligten abgehalten.

Die insgesamt ca. 80 Auszubildenden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils im Tagesrhythmus ein- um den anderen Tag wechselten.

Am Montag und Dienstag wurden jeweils zu Beginn die Ziele, die Projektstruktur und Arbeitsweisen vorgestellt, ein Forming initiiert und Kontakt gefördert. Es gab Sicherheitseinweisungen und die Auszubildenden wurden in 5 Baugruppen aufgeteilt.

In jeder Baugruppe wurde ein/e Projektleiter*in gewählt, der/die dafür verantwortlich war, das eigene Team zu leiten und die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass das Bauteam die gesetzten Ziele erreicht.  Diese Baugruppen wurden jeweils von einer/ einem ALEA-Fachanleiter*in und einer/ einem Dräger-Ausbilder*in betreut und angeleitet. Diese gaben jedwede Hilfestellung, die die Projektleiter*in und das jeweilige Bauteam brauchten, um sicher und effektiv an den Zielen zu arbeiten und um Spielgeräte herzustellen, die der Spielplatznorm entsprechen und für die späteren Nutzer*innen gefahrlos bespielbar sein werden.

Diese Gruppen fingen an, die zuvor geplanten Bauwerke aus rohem Holz und Verbindungstechnik herzustellen und zu installieren. Hier werden keine fertigen Spielgeräte gekauft und montiert, sondern aus Stämmen, Balken, Brettern, Schrauben, etc. Unikate nach den Bedürfnissen und Vorstellungen der Schule und der Behörde hergestellt.

So wechselten sich die Teilnehmenden täglich auf der Baustelle ab, erstellten die Spielgeräte und Sonnensegel, fertigten Fallschutzumrandungen an, bewegten eine irre Menge an Material, Beton, Fallschutz und gaben mithilfe einer Designgruppe dem Spielplatz seinen unverwechselbaren Look.

Es entstanden bekletterbare Schiffswracks, ein Dreimaster, Flöße, Stege, Planken, Netze, Niedrigseilgartenelemente zum Klettern, Balancieren, Hangeln, Rutschen, Gleiten, … und Flächen zum Sitzen und Chillen.

In der Bauphase mussten auch Maskenpflicht und Abstandsregeln eingehalten werden. Dies gelang tatsächlich ausgesprochen gut. Auch hierfür waren zwei Auszubildende verantwortlich, die allen Beteiligten beratend zur Seite standen. Natürlich gibt es auf einer Baustelle Situationen, in denen abgewogen und entschieden werden muss, ob die Unfallverhütung oder die Einhaltung der Corona-Regeln stärker wiegen. Also beim gemeinsamen Tragen eines 200 kg. schweren Stammes kann kein 1,5 Meter großer Abstand eingehalten werden. Für solche Situationen stellte Dräger allen Anwesenden eine FFP1-Maske zur Verfügung.

Die Abnahme durch den städtischen Prüfer wurde am Freitag, den 03.07. vorgenommen.

DIE SEMINARINHALTE

Täglich gab es mindestens eine Einheit, in der sich die Gruppen mit ihren Fachanleiter*innen,  den Prozessbegleiter*innen der ALEA Gmbh und den Ausbilder*innen von Dräger über die Zusammenarbeit und die Ziele austauschten.

Die Projektziele und Arbeitsschritte haben die Projektmanager*innen an Outdoor-Scrum-Boards strukturiert und moderiert. Diese Methodik war essentiell wichtig, um den Überblick über die Arbeitsschritte zu behalten.

Zudem wurden täglich Reflexionseinheiten abgehalten, in denen an folgenden Themen gearbeitet wurde:

  • Umgang mit Herausforderungen – persönlich/ individuell und in der Gruppe
  • Setzen eigener Entwicklungsziele für die Woche und für die Ausbildung
  • Übernahme von Rollen und Verantwortung
  • Umgang mit Veränderungen (z.B. wenn der Beton um ca. 24 Stunden zu früh auf der Baustelle eintrifft)
  • Projektsteuerung
  • Motivation
  • Absprachen treffen und Schnittstellenkommunikation

Am Ende der Bauzeit haben die Auszubildenden diese Themen noch einmal zusammengetragen und sich gegenseitig vorgestellt.

Diejenigen, die Rollen und Verantwortung übernommen hatten, erhielten ein persönliches Feed-Back und Rückmeldungen durch die Gruppenmitglieder.

DAS ‚GUTE ENDE‘

Am Samstag den 04.07. gab es nach der notwendigen Aufräumaktion eine kleine Eröffnungsfeier. Der Personalvorstand der Drägerwerk AG & Co. KGaA, der Bürgermeister der Hansestadt Lübeck und die Schulleitung hielten kurze Reden zum Dank und die Auszubildenden gaben einen persönlichen Einblick in die Bauwoche. Eine Gruppe Schulkinder bedankte sich mit zwei Musikstücken bei den Beteiligten und tauften den Spielplatz standesgemäß.

Auch die Eröffnung konnte unter den geltenden Corona-Auflagen einwandfrei durchgeführt werden. Dafür sorgten Auszubildende, die über den Verlauf des Projektes genau mit dieser Aufgabe betraut waren und alle relevanten Aspekte beachteten und umsetzten.

RÉSUMÉ

Der Erfolg des Projektes kam dadurch zustande, dass sich alle Beteiligten vertrauensvoll auf unseren Vorschlag eingelassen und dann mit hohem Engagement an der Umsetzung mitgearbeitet haben: die Ausbilder*innen der Drägerwerk AG & Co. KGa, die verantwortliche Mitarbeiterin der Hansestadt Lübeck, die Schulleitung, Teile des Kollegiums, der Hausmeister und die Mitarbeiter*innen der Schulmensa der Baltic-Schule. Und nicht zuletzt natürlich die Auszubildenden und Studierenden von Dräger, die sich großartig engagiert haben und wenn es nötig war auch an ihre Grenzen gegangen sind.

In einer großartigen Gemeinschaftsaktion ist etwas Einzigartiges entstanden!

"Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige

Verantwortung für dein Tun übernimmst."

Dante Alighieri

 

Text: Andreas Kalischefski

Fotos: ALEA GmbH